Heidemarie Wieczorek-Zeul zu Gast bei UNICEF im Rathaus Wiesbaden
Zu der jährlichen Veranstaltung für die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen von UNICEF Wiesbaden war diesmal die Wiesbadener SPD-Bundestagsabgeordnete Heidi Wieczorek-Zeul eingeladen. Die ehemalige Bundesministerin hatte sich im letzten Winter ebenfalls am Verkauf der UNICEF-Weihnachtskarten auf dem Sternschnuppenmarkt beteiligt und kam der Einladung von UNICEF Wiesbaden gerne nach.
Nach der Eröffnung durch Dr. Klaus Schumann, dem Leiter der UNICEF Arbeitsgruppe Wiesbaden, nutzte Heidemarie Wieczorek-Zeul die Gelegenheit, um sich bei allen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für deren Engagement zu bedanken und betonte, dass es eine Aufgabe für alle sei, sich für eine gerechtere Welt einzusetzen. Dafür müssten Staaten, Nichtregierungsorganisationen, Kirchen und wirtschaftliche Organisationen genauso zusammenarbeiten und Verantwortung zeigen, wie es die ehrenamtlichen Helfer vor Ort tun.
Gleichzeitig konnte die Wiesbadener Bundestagsabgeordnete auch von den neuesten Entwicklungen in der internationalen Zusammenarbeit berichten.
Der gerade vorgestellte Bericht des Generalsekretärs der Vereinten Nationen, Ban Ki-Moon, zur Verwirklichung der Millenniumsentwicklungsziele böte Anlass zu großer Sorge. Es seien zwar Fortschritte erkennbar, so machten 63 von 117 Ländern Fortschritte bei der Zurückdrängung von Hunger und Armut, aber in einer Reihe afrikanischer Länder gäbe es keine Fortschritte. Außerdem habe die Weltwirtschaftskrise die Situation vieler Länder drastisch verschärft.
Es sei heute mehr denn je entscheidend, in Engagement und internationaler Zusammenarbeit nicht nachzulassen und eine Kürzung der Mittel um jeden Preis zu verhindern.
Der Bericht des UN-Generalsekretärs konnte bei den Zahlen zu Grundschulbildung eine positive Entwicklung festhalten: in vielen Ländern werden über 90% der Kinder eingeschult – dennoch sei dies kein Grund, zufrieden zu sein: „Noch immer gehen fast 100 Millionen Kinder im Grundschulalter nicht zur Schule! Jeder und Jede kann auch bei uns den Schulbesuch von Kindern im Ausland unterstützen. Mit 50 Euro können Hefte, Stifte und Schulmaterial für 10 Kinder bezahlt werden.“ Wieczorek-Zeul lobte UNICEFs Engagement „Schulen für Afrika“, das unendlich wichtige Arbeit leiste. Unter anderem trage UNICEF mit dazu bei, dass vor Ort mit Baumaterial, Tischen, Büchern, Schulmaterial, Trinkwasser und Toiletten der Schulbesuch von Kindern unterstützt werden könne.
„Wichtige Fortschritte gibt es auch bei der Zurückdrängung der Kindersterblichkeit, wenngleich die Zahl von 8,8 Millionen Kinder, die vor ihrem 5. Lebensjahr sterben, unerträglich hoch ist. Keinen wirklichen Fortschritt gibt es bei der Reduzierung der Müttersterblichkeit. Nach wie vor stirbt weltweit jede Minute eine Frau entweder bei der Geburt oder an den Folgen der Geburt. Deshalb ist es wichtig, dass die internationale Gemeinschaft in die Entwicklung von Gesundheitssystemen und Stationen investiert. Denn Müttersterblichkeit ist eine unsichtbare Pandemie!“ Zum Abschluss forderte Wieczorek-Zeul, dass sich die Prioritäten der internationalen Gemeinschaft verändern müssen. Es könne nicht sein, dass für Rüstung jährlich insgesamt 1,3 Billionen US-Dollar ausgegeben werden und nur 119,6 Milliarden Dollar – also ein Zehntel davon - weltweit für die gesamte Entwicklungszusammenarbeit. „Wir dürfen nicht als die Generation in die Geschichte eingehen, die zwar Billionen aufbrachte, um den Bankensektor zu retten, die es aber nicht schaffte, die Welt von Hunger, Armut und Arbeitslosigkeit zu befreien.“
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