Heidemarie Wieczorek-Zeul zu Karstadt-Insolvenz.
Die Wiesbadener Bundestagsabgeordnete und Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul hat nach dem Insolvenz-Antrag von Arcandor gefordert, dass die Schicksale der Beschäftigten im Mittelpunkt der Entscheidungen über die Zukunft der Unternehmensteile stehen müssen. Karstadt könne und müsse neu aufgestellt und konsolidiert werden und dabei die attraktive Lage seiner Häuser offensiv nutzen. Nach wie vor seien jetzt auch die Eigentümer, Gläubiger und Vermieter in der Pflicht: „Eigentum verpflichtet“ – dieser Satz des Grundgesetzes binde auch sie.
„Anhänger der reinen Lehre von der Marktwirtschaft bejubeln jetzt die Entwicklung als angeblich systemgerechte Strafe für unternehmerische Fehlentscheidungen. Sie gehen dabei rücksichts-os über die existentiellen Sorgen vieler Tausender Beschäftigter und ihrer Familien hinweg, die für diese Fehler keinerlei Verantwortung tragen“, so Wieczorek-Zeul. Sie empfinde es als zynisch, dass von Einigen die Insolvenz von vornherein als optimale Lösung propagiert worden sei. Umso mehr seien diese nun in der Pflicht, die Beschäftigten vor den Folgen in Schutz zu nehmen.
Die Karstadt-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter hätten ihren Beitrag bereits geleistet und auf den großen Teil ihres Weihnachts- und Urlaubsgelds verzichtet, damit Karstadt drei Jahre hintereinander 125 Millionen Euro Personalkosten spart. Währenddessen habe sich der für die Misere verantwortliche ehemalige Arcandor-Chef Middelhoff rechtzeitig davongemacht. Dieser habe neben seinem Grundgehalt von 1,2 Millionen Euro Anfang des Jahres einen Sonderbonus von knapp 2,3 Millionen Euro bezogen - obwohl der Essener Konzern im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Verlust von 746 Millionen Euro erwirtschaftete. Schließlich stamme auch das Konkursausfallgeld, das die Bundesagentur nun drei Monate lang zahle, aus den Beiträgen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.
Es müsse nun sorgsam darauf geachtet werden, dass bei der „Schnäppchenjagd“ auf die Unternehmensteile von Arcandor nicht erneut die Beschäftigten zu Verlierern würden. „Mit Karstadt ginge auch ein Unternehmen unter, bei dem noch Tariflöhne gezahlt werden.“ Ausdrücklich unterstützt Wieczorek-Zeul das Engagement zahlreicher Bürgermeister aus ganz Deutschland, die vor einer Verödung ihrer Innenstädte warnen. „Unser Kaufhaus muss bleiben“, ist sich Wieczorek-Zeul mit den Rathaus-Chefs einig, „Es besteht keine Notwendigkeit, das Wiesbadener Karstadt-Haus zu schließen.“
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