Auf
großes Interesse stieß die Lesung des „Friedensgutachtens“
mit Bruno Schoch,
zu der die Wiesbadener Bundestagsabgeordnete
und Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul im Rahmen
ihrer Veranstaltungsreihe Leselust & Politik eingeladen
hatte.
Schoch ist Mitherausgeber des Friedensgutachtens der
fünf großen
Friedensforschungsinstitute in Deutschland. Das diesjährige
Gutachten befasst sich als Schwerpunkt mit der zunehmenden
Zahl von Militärinterventionen und stellt insbesondere
die Einsätze
der Bundeswehr auf den Prüfstand.
Mit dem Ende des Kalten Krieges ist auch für die
Bundeswehr ein
in jeder Hinsicht umfassender Wandel von Aufgaben und
Selbstverständnis verbunden.
In den Mittelpunkt seine Lesung stellte Schoch die Mindestkriterien
für Militäreinsätze, die das diesjährige
Friedensgutachten postuliert. Neben der Grundvoraussetzung
der Rechtmäßigkeit, d.h. der Übereinstimmung
mit UN-Charta und Grundgesetz, sind dies:
Die Unterscheidung von friedenspolitischen und funktionalen
Gründen, d.h. dass macht-, einfluss- und bündnispolitische
Ziele
nicht den Ausschlag geben dürfen, der Vorrang ziviler
Alternativen,
ein politisches Gesamtkonzept, eine begleitende Evaluierung
einschließlich der nachträglichen Bilanzierung
seiner Kosten und Nutzen. Eindrucksvolle Zahlen nannte
Schoch dazu. So haben
weltweit die Aufwendungen für Streitkräfte
und Rüstungen die 1-
Billion-Dollar-Grenze überschritten! Davon entfallen
allein 48 %
auf die USA, mehr als 70 % auf die NATO. Als unabdingbar
sehen
die Autoren schließlich eine Exit-Strategie: wer
einen Einsatz
beginnt, braucht auch eine Vorstellung davon, wann und
wie er zu
beenden ist.
Einig waren die Ministerin und ihr Gast, dass mehr Engagement
für die Verhinderung von Gewalt notwendig ist.
Während die
Aufrüstungsspirale gigantische Summen verschlinge,
würde bereits
ein Bruchteil dieses Geldes ausreichen, die UN-„Millenniumsziele“
zu erreichen, u.a.: die Beseitigung der extremen Armut
und des Hungers auf der Welt, die Reduzierung der Kindersterblichkeit
um zwei Drittel und der Müttersterblichkeit um
drei Viertel, die Bereitstellung der Grundschulbildung
für alle Kinder, die erfolgreiche Bekämpfung
von Aids, Malaria und anderen Krankheiten. So verwies
Ministerin Wieczorek-Zeul darauf, dass 20 US-Dollar
pro Kopf der Bevölkerung weltweit ausreichen würden
um die Millenniumsziele zu erreichen, während heute
schon pro Kopf der Bevölkerung weltweit 187 US-Dollar
für Rüstung ausgegeben würden.
Dieses Zahlenverhältnis zu ändern, sei dringend
notwendig und
die beste Bekämpfung des Nährbodens von Terrorismus.
nach
oben
|