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Entwicklungspolitik

Erfolge und Perspektiven unserer Entwicklungszusammenarbeit

Steigerung der Entwicklungsausgaben – Stufenplan legt Zeitplan fest
Die Entwicklungsleistungen Deutschlands, gemessen durch die so genannte ODA-Quote (Official Development Assistance; der Anteil der öffentlichen Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit, gemessen am Bruttoinlandsprodukt), waren zwischen 1982 und 1998 von 0,47% auf 0,26% gefallen. Dieser Abwärtstrend konnte gestoppt werden. 2007 lag die ODA-Quote bei 0,37%. Im Mai 2005 haben die Entwicklungsministerinnen und Entwicklungsminister der Europäischen Union beschlossen, die Entwicklungsleistungen bis 2010 auf 0,51% und bis 2015 auf 0,7% zu steigern. Diesen Beschluss haben die europäischen Staats- und Regierungschefs übernommen. Damit gibt es für das 0,7-Prozent-Ziel aus den 70er Jahren endlich einen verbindlichen Zeitplan, der auch für die Bundesrepublik Deutschland verbindlich gilt.

Gerechter Welthandel

Das Entwicklungsministerium hat sich für gerechtere Handelsbedingungen eingesetzt. Insbesondere wurde die „Baumwoll-Initiative“ von vier westafrikanischen Ländern unterstützt, die besonders unter der Subventionspolitik der Industrieländer leiden. Schließlich hat die EU ihre Baumwollsubventionen stark gesenkt und die Subventionen von der Produktion entkoppelt. Nun müssen insbesondere die USA nachziehen.

Entschuldung

Auf dem G7-Gipfel in Köln haben die G7-Staaten – auf maßgebliches Betreiben der Bundesregierung – eine große internationale Entschuldungsinitiative für die ärmsten, hochverschuldeten Entwicklungsländer ins Leben gerufen. Diese Entschuldungsinitiative hat insgesamt ein Entschuldungsvolumen von 70 Milliarden US$. Die Entschuldung ist eng an die Armutsbekämpfung geknüpft. Nur wenn im Gegenzug die Gesundheits- und Bildungsausgaben steigen, wird entschuldet.
Im Juni 2005 haben sich die G8-Staaten darauf verständigt, armen hochverschuldeten Ländern zusätzlich multilaterale Schulden bei Weltbank, IWF und Afrikanischer Entwicklungsbank in Höhe von ca. 40 Milliarden US$ zu erlassen.

Kampf gegen HIV/AIDS

Wir haben den Kampf gegen HIV/AIDS zu einem Schwerpunkt unserer Entwicklungspolitik gemacht. 33 Millionen Menschen weltweit sind mit HIV/AIDS infiziert. Deshalb muss der Kampf gegen AIDS oberste Priorität haben. Wir haben unsere Ausgaben im Kampf gegen AIDS von jährlich 20 Millionen Euro (1998) auf 500 Millionen Euro aufgestockt. Die Zahlungen an den Globalen Aidsfonds wurden zuletzt mehr als verdoppelt und betragen mittlerweile 200 Millionen Euro.

Erneuerbare Energien

Die Internationale Konferenz renewables 2004 hat einen wichtigen Beitrag zur globalen Energiewende geleistet. In der Politischen Deklaration haben 154 Regierungen beschlossen, dass bis zum Jahr 2015 eine Milliarde Menschen den Zugang zu moderner, sauberer Energie aus erneuerbaren Quellen erhalten soll. Ein wichtiger Erfolg auch der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ist die verstärkte Hinwendung Chinas zu erneuerbaren Energien. China wird bis zum Jahr 2010 den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung auf 10% steigern. Zudem unterstützt Deutschland den Aufbau eines internationalen Städtenetzwerkes, in dem Städte voneinander lernen, wie sie erneuerbare Energien verstärkt einsetzen können.

Kurswechsel bei der Weltbank

In der Weltbank hat Deutschland, zusammen mit anderen progressiven Regierungen in der Utstein-Gruppe, auf Reformen gedrängt und die Reformanstrengungen des damaligen Weltbankpräsidenten James Wolfensohn maßgeblich unterstützt. Die Strukturanpassungsprogramme der Vergangenheit wurden überwunden. Die Weltbank wurde in ihrer Geschäftspolitik auf die Kernarbeitsnormen der ILO verpflichtet. Es ist gelungen, die Weltbank auf die Förderung Erneuerbarer Energien zu verpflichten. In einem Strategiepapier (Post-Washington-Consensus) werden die Aufgaben der Zukunft beschrieben.

Afrika

Schwerpunkt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Afrika ist unser Nachbarkontinent, und die Perspektiven Afrikas sind eng mit den Lebensverhältnissen in Europa verbunden. Deshalb ist Afrika Schwerpunktkontinent für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit; 50 % der bilateralen Mittel werden für Programme in Afrika verwandt. Dazu hat die deutsche Entwicklungszusammenarbeit ihre Schwerpunkte auf die Bereiche HIV/Aids, Wasserversorgung, Bildung, Förderung von Demokratie und guter Regierungsführung sowie Konfliktprävention gelegt. Afrika ist auch der Kontinent, der am stärksten von der internationalen Entschuldungsinitiative profitiert. Dank der internationalen Entschuldungsinitiative können heute 29 Millionen Kinder mehr zur Schule gehen als früher.

Schnelle Hilfe wenn es darauf ankommt

Nach der Tsunami-Katastrophe am Indischen Ozean hat die Bundesregierung unmittelbar geholfen. Dank einer großen internationalen Hilfsanstrengung konnte der Ausbruch von Seuchen verhindert werden. Beim Wiederaufbau konzentriert sich Deutschland insbesondere auf Indonesien und Sri Lanka. Über fünf Jahre stellt die Bundesregierung für den Wiederaufbau insgesamt 500 Millionen Euro zur Verfügung.

Kampf gegen die weibliche Genitalverstümmelung

Weltweit sind 130 Millionen Frauen Opfer der weiblichen Genitalverstümmelung. Jedes Jahr kommen 2 Millionen Frauen dazu. Wir unterstützen Nichtregierungsorganisationen und die Partnerländer im Kampf gegen die weibliche Genitalverstümmelung. Im April 2005 konnte Entwicklungsministerin Wieczorek-Zeul, zusammen mit den Menschen in Benin, das dortige Ende der Tradition der weiblichen Genitalverstümmelung bei einem Festakt feiern.

Ausbau des Zivilen Friedensdienstes

Das Entwicklungsministerium hat mit dem Zivilen Friedensdienst ein neues Instrument zur gewaltfreien Beilegung beziehungsweise zur Verhinderung von Konflikten geschaffen. Der Zivile Friedensdienst wurde in den vergangenen Jahren konsequent ausgebaut. In den ersten fünf Jahren des Zivilen Friedensdienstes wurden 191 Friedensfachkräfte in mehrjährigen Einsätzen eingesetzt. Die Einsatzschwerpunkte liegen in Afrika südlich der Sahara, Lateinamerika und Südosteuropa.

weltwärts – Der neue entwicklungspolitische Freiwilligendienst

Der neue Entwicklungspolitische Freiwilligendienst weltwärts wurde im Januar 2008 gestartet. Und er wurde von den jungen Erwachsenen hervorragend angenommen. Mehr als 2000 Freiwillige sind bereits im ersten Jahr in über 60 Länder ausgereist, davon rund 60 % Frauen. Mehr als 200 Trägerorganisationen wollen mitmachen oder sind schon dabei.
weltwärts richtet sich an junge Menschen im Alter von 18 bis 28 Jahren, die für 6 bis 24 Monate in Entwicklungsprojekten vor Ort mitarbeiten wollen. Durch einen Zuschuss in Höhe von 580 Euro pro Monat plus Auslandskrankenversicherung haben wir sichergestellt, dass dieser Freiwilligendienst nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängt.
Wo ich auch hinkomme, treffe ich heute junge weltwärts-Freiwillige, die hoch motiviert sind und sich für eine gerechtere Welt engagieren. Besonders freut mich, dass zwei junge Frauen, Felicitas Eser und Lena Handschuh, mit Nueva Nicaragua – und unserer Unterstützung – in unsere Partnerstadt Ocotal gegangen sind.

Klare Schwerpunktsetzungen

Das Entwicklungsministerium hat klare Schwerpunktsetzungen vorgenommen. Die Zahl der Partnerländer wurde auf rund 60 Länder reduziert. Die internationale Geberharmonisierung wurde deutlich verbessert. Zudem wird die Entwicklungszusammenarbeit immer stärker auf eine konsequente Programmförderung umgestellt.

Afghanistan

In Afghanistan leistet Deutschland einen wichtigen Beitrag zum Wiederaufbau und zur Stabilisierung des Landes. Die Infrastruktur wird wieder hergestellt. Schulen und Gesundheitseinrichtungen werden instand gesetzt. Mädchen können endlich wieder zur Schule gehen. Die Mittel der Bundesregierung für den zivilen Wiederaufbau Afghanistans sind immer wieder aufgestockt worden. 2008 hat die Bundesregierung 170 Mio. Euro für den zivilen Wiederaufbau zur Verfügung gestellt.

 

 
 
 
 
 
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